Der Grimm

„Eine Geschichte zu einem Schluss schreiben“,

enstanden im Deutschunterricht der 4. Klasse

von Enrique Bellosta von Colbe

 

„Salve“, sagte mein Freund, nachdem ich das Passwort „Idioten Gladiator“ gesagt hatte.

 

Oh, ich habe vergessen mich vorzustellen. Ich bin ein Straßenjunge aus Rom. Meine Mutter starb bei der Geburt, mein Vater starb fünf Tage vor meiner Geburt. Die Hebamme trug mich die Treppe runter, doch als sie etwas trinken wollte, fiel ich aus dem Fenster, ich fiel aus dem 8. Stock. Aber zum Glück fiel ich in den Tiber. Unser Haus stand nämlich direkt an der Stadtgrenze. Und woher ich das weiß? Von unserem Mieter. Er hat nämlich alles mit angesehen, außer natürlich die Geburt. Doch ich hatte Glück und wurde ohne auch nur einen Kratzer an Land gespült. Ein älterer Mann fand mich im Schilf. Nach elf Jahren brachte er mich zu einer Gruppe von Straßenjungen, die sich gegen Cäsar entschieden hat.

 

Diese Straßenorganisation bestand ausschließlich aus Straßenjungen. Nun bin ich schon 12 Jahre alt und bin damit aufgewachsen. Wir meinen, die Helden in einem Krieg zu sein. Alle aus der Gruppe haben riesige Schulden und sind ständig auf der Flucht. Manchmal müssen wir sogar stehlen. Auch die Palastwache Cäsars ist hinter uns her.

 

Aber zurück zu mir. Meinen Namen „Neptus“ gab mir der alte Mann, weil er mich aus dem Tiber geholt hat. Unser Quartier ist im Monte Testaccio.

 

Eines Tages war es wieder soweit. Die Versorgung reichte nicht mehr aus und wir mussten stehlen. Wir losten den Dieb aus und ich wurde gezogen. Unser Häuptling rief: „Neptus.“ Ich erschrak. Ich war bisher von den Göttern verschont geblieben, soll heißen, er zog mich das erste Mal.

 

Am Abend bekam ich die Ausrüstung und rannte los. Ich steuerte direkt auf das drittreichste Haus zu, um schließlich leise auf den Zaun zu springen, leise wie eine Katze auf den unüberwindbar scheinenden Zaun zu landen und kletterte schließlich flink wie ein Wiesel hinauf. Jetzt kam es darauf an, denn es sind schon viele an dieser Aktion gestorben. Deshalb nannten wir sie „Aktion Hades“. „Erst mal muss ich an den Wachhunden vorbei“, dachte ich und bekam es allmählich mit der Angst zu tun, denn es waren Riesenkläffer, wenn die dann bellten, kamen die Wächter. Als ich oben ankam, sprang ich hinunter und breitete meinen Mantel noch im Flug aus. Dann schwebte ich ungefähr zwanzig Sekunden in der Luft. Doch das reichte aus, um auf das erste Dach zu kommen. Doch leider war das ein Wachposten. Um mich herum standen sechzehn Männer mit Säbeln bewaffnet. Der eine sagte: „Na warte Bürrschchen, wirr krriegen dich, du Einbrrecher.“ Und zu den anderen Wächtern sagte er: „Ich schnappe ihn mirr, ihrr bleibt hierr.“ Er rannte und rannte und schien nie müde zu werden. Aber ich war schneller.

 

Ich stürzte direkt auf das prächtige Herrenhaus zu. Es schwirrte mir die ganze Zeit im Kopf herum: „…Von mir hängt alles ab! Entweder die Gruppe stirbt oder ich kehre erfolgreich zurück.“

 

Ich sprang hoch und trat das Fenster ein. Sofort gingen alle Wächter im Eingangssaal auf mich los. Der andere Wächter blieb draußen. Ich schoss in die Küche, die Küchenjungen sprangen erschrocken von der Arbeit auf. Erschöpft aber siegessicher schlich ich auf den Vorratsschrank zu, schnappte mir einen herumliegenden Korb und befüllte ihn mit vielen Leckereien.

 

Ich dachte: „Jetzt bloß keine Zeit verlieren.“ Dann verschwand ich schnell aus der Küche. Als ich meinen ersten Fuß aus der Küche setzte, empfing mich eine Kaskade von Schlägen, Tritten, Schwerthieben, Äxte hackten in meine Richtung, anders gesagt: Sie wussten, wohin ich abgehauen war und hatten alles zusammen genommen, was zum Angriff nützlich sein konnte.

 

Ich schlüpfte durch die Beine der Leute nach draußen und auf das Tor zu. Doch ich hatte meine Rechnung ohne den Wächter gemacht, der mich vorhin so eifrig verfolgte. Er raste wieder hinter mir her. Ich schmetterte ihm entgegen: „Du kriegst mich nicht.“ Er konterte: „Das hierr ist nurr Zeitverrschwendung, ich habe dich so gut wie.“ Doch ich rannte weiter. Ich kletterte am Zaun hoch und er ging durch das Tor. Ich sprang vom Zaun und breitete meinen Mantel aus, segelte ca. 30 Sekunden durch die Luft und landete schließlich auf einem Hausdach.

 

Plötzlich rauschte etwas an meinem Ohr vorbei und blieb in einem Baum stecken… Auf einmal steckte es in einem Baum neben dem Haus. Erst jetzt sah ich, dass es ein Messer war. Während das in mir vorging, rannte ich weiter. Doch Häuser sind nicht unendlich, denn auf einmal fiel ich. Das kam so überraschend, dass ich nicht einmal mehr Zeit hatte, meinen Mantel auszubreiten. Als ich aufkam, hatte ich die Augen geschlossen und hatte einen metallischen Geschmack im Mund. Blut! Mein Verfolger hatte mich eingeholt. Er baute sich vor mir auf. Endlich konnte ich versuchen ihn einzuschätzen. Ich schätzte ihn auf etwa 1,75 Meter. Er war muskulös und bewaffnet mit mehreren Messern und mit einem großen Gladius. Mit vereinfachten Worten: Bis auf die Zähne bewaffnet und brandgefährlich.

 

Plötzlich schlüpfte ich ihm durch die Beine. Doch ich kam nicht weit, denn ein riesiger Schatten versperrte mir den Weg. Ich erkannte ihn sofort. Es war der berüchtigte Attentäter, der sich bei jedem Anschlag als der Rächer ausgab. Wie jeden Gegner versuchte ich ihn einzuschätzen. Und hier meine Schätzung: ca. 2,00 Meter groß, Ledermaske, kein Helm, sonst Gladiatoren Rüstung, zweimal Helena Dolche, ein Gladius, ein Chepesch. Ich stufte ihn als brandgefährlich ein. Wie Wasser um einen Felsen stürmte ich um ihn herum. Doch er jagte hinter mir her und ich spürte ihn in meinem Windschatten. Ständig warf ich ihm Öllampen und Blumenvasen entgegen. Diese Dinge lagen auf den Fensterbrettern. Und er warf die Dinge, die ich liegen gelassen hatte, auf den Wächter, der ganz hinten immer noch versuchte, mich zu kriegen.

 

Doch da war auf einmal eine Mauer vor mir. „Sackgasse“, kicherte der Rächer. Ich stand mit dem Rücken zur Wand, der Wächter war inzwischen prustend, schnaufend und taumelnd angekommen. Beide gingen langsam und bedrohlich auf mich zu. Auf einmal bemerkte ich einen losen Stein in der Wand. Der Rächer hob den Helena Dolch über meinen Kopf. Vor Aufregung drückte ich den losen Stein nach hinten. Plötzlich tat sich ein Loch unter mir auf. Ich fiel hinein und fand mich in einem dunklen Loch wieder. An einem Ende war eine Treppe; ich stieg hinauf und auf einmal stand ich auf der anderen Seite der Mauer.

 

Ich dachte: „Puh, gerade noch entkommen.“ Doch Pustekuchen! Ein riesiger schwarzer Hund kam aus einer Gasse gerannt. Er schoss auf mich zu. Ich rannte knapp vor ihm weg. Der Hund ließ sich einfach nicht abschütteln, egal wie schnell ich Haken schlug. Ich war nun schon durch fast alle Viertel der Stadt gelaufen. Jetzt blieb mir nur noch übrig, was ich eigentlich meiden wollte: zur römischen Kaserne zu laufen. Als ich nun schließlich davor stand, versteckte ich mich hinter einem Baum. Der Hund konnte sich nicht verstecken. Ein Bogenschütze entdeckte ihn und schoss einen Pfeil auf ihn. Dieser jaulte auf. Erleichtert sah ich, wie der riesige Hund den Rückzug antrat. Mein Herzschlag beruhigte sich allmählich wieder und ich dachte: „Das ist gerade noch einmal gut gegangen.“