Der Lebensretter

Eine Geschichte von Johanna Gogolin, Klasse 4a

An einem warmen, sonnigen Frühlingstag machte sich ein kleines Schiff auf ins Mittelmeer. Es war rotweiß gestrichen und auf seinem Bug prangten goldene Buchstaben. „Jane“ stand darauf.

Doch die See blieb nicht so still. Die Wellen schlugen immer heftiger gegen das kleine rotweiße Schiff. Es schwankte gefährlich hin und her. Jetzt fing es auch noch an zu gewittern. Der Regen prasselte nur so auf das Deck. Käpt’n Willi rief so laut er konnte: „Alle Mann in die Kajüten!“

Alle Matrosen folgten seinem Rat. Nur ein kleiner Junge nicht. Er stand an der Reling und guckte sich die tosende schäumende See an. Er wolle nicht in die langweiligen Kajüten, sondern spannende Abenteuer erleben, sagte er zu Käpt’n Willi. Aber dieser antwortete: „Du bist noch viel zu klein, Jakob. Du wirst einfach von den Wellen weggespült.“ Doch sein Gesicht verriet Willi, wie entschlossen er war. Also sagte er nur zu Jakob: „Binde dich wenigstens fest, sonst spülen dich die Wellen tatsächlich weg.“, bevor er in seiner Kajüte verschwand. Diesmal folgte Jakob dem Rat tatsächlich. Er band sich das Tau um seinen Bauch und knotete es mit einem Palstek an der Reling fest.

Doch – hatte er eben nicht eine Schwanzflosse gesehen? Er guckte genauer hin und sah zu seinem Entsetzen einen Hai! „Hilfe, Hilfe, gleich wird nicht der Hai fressen“, dachte er entsetzt. Doch da hörte er eine dunkle Stimme zu ihm sagen: „Habe keine Angst vor mir, ich bin Henry der Hai.“ „Jetzt werde ich aber verrückt. Es gibt doch keine sprechenden Haie“, dachte er im Stillen. „Zieh deinen Taucheranzug an und springe zu mir ins Meer“, sagte die dunkle Stimme, die Henry gehörte. Jakob band sich ab, zog seinen Taucheranzug an und zögerte. Doch Henry sagte: „Komm schon, wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Und da sprang er. Es ging immer tiefer und tiefer ins Meer. Er sah sich staunend um. Wie still es hier war. Bunte Fische schwammen um ihn herum und rote Korallen neigten sich bei jeder Welle in die andere Richtung. Aber da entdeckte er Henry. „Komm mit und hilf mir!“ Henry schwamm voraus von Jakob gefolgt. Da erschrak Jakob. Er sah einen kleinen Hai, der vergeblich versuchte sich aus einem Fischernetz zu befreien. „Halt still! Ich schneide das Fischernetz mit einer Schwertmuschel durch“, riet Jakob ihm. Er schnitt das Netz so schnell er konnte durch. „Vielen Dank, dass du mich gerettet hast! Übrigens, ich heiße Markus“, sagte der kleine Hai und schwamm um ihn herum.

Aber plötzlich wurde Jakob entsetzlich müde. Er sagte es seinen neuen Freunden wie müde er war und diese erschraken. „Oh nein! Der Sauerstoffgehalt sinkt! Du musst schnell an die Luft“, schrie Markus entsetzt. Jakob versuchte vergeblich aufzutauchen aber er war so müde, dass er nicht mehr genug Kraft hatte. „Steig auf meinen Rücken, ich helfe dir“, sagte Markus entschlossen. Jakob setzte sich auf Markus Rücken und dieser versuchte mit Jakob aufzutauchen. Doch die Strömung war für ihn zu stark und sie sanken immer wieder auf den Grund. „Lass mich mal, ich bin viel stärker als du“, sagte Henry. Jetzt stieg Jakob mit letzter Kraft auf Henrys Rücken. Henry war wirklich stärker als Markus. Er schaffte es bis zu der schäumenden Wasseroberfläche. Henry riet Jakob: „Halte dich an der rostigen Leiter fest.“ Jakob antwortete mit müder Stimme: „Ich versuche es.“ Dann kletterte er langsam Stück für Stück die Leiter des im Wind schwankenden Schiffes hoch. Kaum war er an Deck des Schiffes angekommen hörte er aufgeregte Stimmen fragen: „Jakob, wo warst du denn? Hast du eine Schatzkiste entdeckt?“

Nachdem er seinen Taucheranzug ausgezogen hatte, beantwortete er geduldig alle Fragen und erzählte die Geschichte, die er erlebt hatte. Natürlich glaubte ihm niemand aber einige Matrosen mussten schmunzeln.

Dann ging er wieder an die Reling, wo immer noch Henry auf ihn wartete. „Vielen Dank, dass du mich gerettet hast“, flüsterte Jakob. „Ach, war doch keine Ursache. Vielen Dank, dass du Markus gerettet hast,“ flüsterte Henry ihm verlegen zu. Jetzt wurde Jakob verlegen. Er antwortete: „Wir müssen uns aber so langsam verabschieden. Es hat schon aufgehört zu gewittern. Mach’s gut, Henry!“ „Mach’s gut, Jakob“, sagte Henry traurig. Jakob tröstete ihn: „Mach dir nichts draus. Wir sehen uns bestimmt bald wieder. Aber jetzt verschwinde schnell, sonst schöpfen sie noch Verdacht. Tschüss!“ Henry tauchte schnell ab ins Meer.

Kurze Zeit später erreichte das kleine Schiff Italien. Dort stand Jakob oft am Hafen und hoffte auf Besuch von Markus und Henry. Dann fragte sein Vater ihn: „Warum guckst Du so auf das weite Meer?“ Und er antwortete: „Ich habe Sehnsucht nach meinen Freunden.“